Riesaer Appell 2.0 gegründet | Online-Aufruf folgt in Kürze

Riesaer Appell 2.0 gegründet

Der Aufruf Riesaer Appell ist nun Geschichte. Am 30.Mai gründeten in Riesa
über 20 Personen die Initiative Riesaer Appell 2.0, welche sich als Nachfolger
des, von Riesaer Kinder- und Jugendeinrichtungen im Jahre 2011 initiierten
Aufrufs „Riesaer Appell“ sieht.

„Der Ursprungsaufruf bedurfte dringend einer Aktualisierung in Bezug auf die
aktuellen gesellschaftlichen Debatten, insbesondere auf die Diskussionen in
Zusammenhang mit dem Umgang von Flüchtlingen in unserem Land.
Außerdem wollten wir den Übergang von einem reinem Aufrufcharakter hin zu
einem Aktionsbündnis, welches sich in die aktuellen Debatten aktiv einmischt
und klar Position bezieht.“ so Anja Müller Mitglied der SprecherInnengruppe
der neuen Initiative.

Der neue Aufruf „Riesaer Appell 2.0“ kann, ähnlich wie in 2011 von allen
BürgerInnen und Bürgern, die sich mit dem Text identifizieren unterstützt
werden. „Es geht allerdings nicht vordergründig um das Sammeln möglichst
vieler Unterstützerunterschriften. Wir wollen natürlich Menschen die Möglich-
keit geben, sich auch öffentlich zu Themen wie Fremdenfeindlichkeit und
Umgang mit Flüchtlingen zu positionieren, aber als Aktionsbündnis ist uns
natürlich viel daran gelegen, potentielle MitstreiterInnen zu gewinnen um
genau an diesen Themen zu arbeiten.“ so Katja Schlennstedt ebenfalls Mitglied
der SprecherInnengruppe.

Interessierte können sich in 4 Arbeitsgruppen engagieren

Die Initiative „Riesaer Appell“ wird zunächst in 4 Arbeitsgruppen („Begegnungen
schaffen“, „Vernetzung“, Rechtsextremismus“ und „thematische Veranstaltungen“)
konkrete Inhalte planen. Volker Herold von der SprecherInnengruppe: „In der
Vorbereitung zur Neugründung des „Riesaer Appell 2.0“ sind eine Vielzahl von
Ideen entstanden, die wir gern umsetzen möchten. Das Spektrum reicht von
Angeboten bei der Integration von Flüchtlingen, über Möglichkeiten bei gemein-
samen Begegnungen Vorbehalte gegenüber Flüchtlingen abzubauen, bis hin zur
Auseinandersetzung mit rechtsextremen Bemühungen die Flüchtlingsdebatte für
ihre Zwecke zu nutzen. Wie dem aktuellen Verfassungsschutzbericht eindeutig zu
entnehmen ist, spielt bei letzterem Punkt nach wie vor die NPD und auch der
Standort Riesa mit dem Deutsche Stimme Verlagsgebäude eine wichtige Rolle.“

„Das gezielte Schüren von Ängsten und Vorurteilen gegenüber Geflüchteten
erschwert eine ehrliche Debatte über Integration und Teilhabe von Flüchtlingen.
Auch in unserer Stadt brauchen wir einen breiten zivilgesellschaftlichen Konsens,
wie wir zusammen hier leben möchten, was für Erwartungen wir an die neuen
Riesaer haben und was im Gegenzug von uns erwartet wird. Integration funktioniert
eben nur dann, wenn beide Seiten dazu bereit sind. Es braucht denjenigen, der sich
integrieren möchte und es braucht ein gesellschaftliches Klima der Offenheit, was
Integration zulässt. Diese Debatte möchten wir ganz praktisch anstoßen.“ so Andreas
Näther SprecherInnengruppe Riesaer Appell 2.0.

Anas Alhashmi, ebenfalls Mitglied der fünfköpfigen SprechInnegruppe und selbst
Flüchtling: „Wir sind hierher geflüchtet um in Frieden und Sicherheit leben zu
können und wir sind dankbar, dass wir hier aufgenommen wurden. Viele Flüchtlinge
wollen die deutsche Sprache lernen und sich integrieren. Um die Deutschen und ihre
Kultur zu verstehen müssen wir sehr viel lernen, dafür brauchen wir Unterstützung.
Wir sind froh, dass viele Riesaer Flüchtlingen dabei helfen. Auch wir möchten, dass
die Riesaer uns und die Ursachen unserer Flucht besser verstehen, um Vorurteile und
Ängste abzubauen. Wir hoffen mit dem Riesaer Appell 2.0 eine Möglichkeit zu haben,
die Fremdheit zwischen uns Menschen zu überwinden, deshalb unterstützen auch
Flüchtlinge diesen Aufruf . Wir möchten gern mit den Riesaern ins Gespräch kommen.“

Riesaer Appel 2.0 online unterzeichnen

Der Aufruf „Riesaer Appell 2.0“ wird in den nächsten Tagen unter www.netzwerkstelle-
riesa.de einsehbar sein. Eine Unterstützung des Aufrufes kann dann auch online erfolgen.

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Einen kleinen bitteren Nachgeschmack hatte die Neugründungsveranstaltung allerdings:
Das Gründungstreffen durfte nicht wie geplant in der Gröbaer Schlossremise stattfinden.
Die Stadt Riesa als Eigentümerin untersagte die Veranstaltung an diesem Ort, da es sich
um eine politische Veranstaltung handelte, die gemäß Stadtratsbeschluss aus dem Jahr
2000 nicht in städtischen Immobilien stattfinden dürfen. Bei strahlendem Sonnenschein,
wurde die Gründungsversammlung also nicht in einem städtischen Gebäude abgehalten
und der Gründungsaufruf wurde auch im Freien unterzeichnet. Im Jahr 2011 erfolgte die
Gründung des Riesaer Appell, trotz dieser Satzung, noch im städtischen Kinder- und
Jugendtreff Kaufhalle unter Beteiligung der damaligen Oberbürgermeisterin Töpfer.

„Die Integration von Flüchtlingen und die in diesem Zusammenhang wichtige Ausein-
andersetzung mit dem Thema Fremdenfeindlichkeit in unserer Stadt kann nur gelingen,
wenn Bürgerschaft und Stadt an einem Strang ziehen. Wir hoffen, dass die Absage der Stadt
Riesa tatsächlich nur diesen angeführten formellen Grund hatte. Wenn die Stadt schon selbst
keine politische Diskussionen mit ihren BürgerInnen zu diesem Thema führt, sollte doch
zukünftig wenigstens eine Diskussion der Bürgerschaft in städtischen Räumen gestattet sein.
Ansonsten brauch man sich nicht wundern wenn diese Diskussionen auf der Straße oder am
Stammtisch stattfindet.“ so die SprecherInnengruppe des Riesaer Appell 2.0.